Führungskompetenzen der Zukunft: Worauf kommt es an?

Susanne Hurni, Rektorin von wittlin stauffer stellt fest „Ja, die klassische Rolle und die Aufgaben der Führung werden sich stark verändern.“ Die vernetzten und verzahnten Systeme von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden komplexer, unberechenbarer und damit weniger steuerbar. Im Zuge der raschen Veränderungen und technischen Entwicklungen steigt der Flexibilisierungsdruck.

Führungskompetenzen der Zukunft: Worauf kommt es an?

Susanne Hurni, Rektorin von wittlin stauffer stellt fest „Ja, die klassische Rolle und die Aufgaben der Führung werden sich stark verändern.“ Die vernetzten und verzahnten Systeme von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden komplexer, unberechenbarer und damit weniger steuerbar. Im Zuge der raschen Veränderungen und technischen Entwicklungen steigt der Flexibilisierungsdruck.

Organisationen verändern sich, die Technik und die Digitalisierung schreiten voran, die Welt vernetzt sich zunehmend. Wirkt sich dies auch auf die Führung und die Definition der Führungskraft aus? 

Gespräch mit Susanne Hurni, Rektorin und Lehrgangsleiterin von wittlin stauffer und ihrer Vorgängerin, Dr. Elisabeth Steger Vogt.

Welche Führungskompetenzen werden an Bedeutung zunehmen? 

Susanne Hurni: Themen wie flache Hierarchien, Selbstorganisation, laterale Führung oder Kollaboration gewinnen an Bedeutung. Herausforderungen für die Führung sind die Folge. In einer Meta-Studie des IFIDZ aus dem Jahr 2019 wird die Kommunikationsfähigkeit an erster Stelle des Kompetenz-Rankings geführt. Diese Kompetenz war schon im «vordigitalen Zeitalter» wichtig, ist jedoch weniger hoch gerankt worden. Weiter werden in den Top Ten des Rankings Veränderungs- und Innovationsfähigkeit sowie Strategisches Denken, Zielorientierung und die Digital-/IT-Kompetenz genannt. Nicht erstaunen dürfte auch die Nennung der weichen Faktoren wie Wertschätzung, Teamfähigkeit und die Fähigkeit soziale Netzwerke zu pflegen. Die Transparenzorientierung hat in dem Ranking im Vergleich zu 1980 signifikant an Bedeutung gewonnen.

Weshalb steht die Kommunikationsfähigkeit an oberster Stelle der Führungskompetenzen der Zukunft? 

Elisabeth Steger Vogt: Die Kommunikationsfähigkeit wird zukünftig die Schlüsselkompetenz einer wirksamen Führungskraft sein und zur Daueraufgabe werden. Durch die zunehmende Flexibilisierung und Virtualisierung der Organisationen werden die kommunikative Koordination, die Orchestrierung verschiedenster Medien, das Schaffen von Transparenz über den Aufgabenrahmen und die Prozesse sowie die Vernetzung und Einbindung der Beteiligten zu bedeutsamen kommunikativen Führungsaufgaben. Eine geschickte und ausreichende Kommunikation gibt in Veränderungsprozessen den Mitarbeitenden Orientierung und Sicherheit und trägt wesentlich dazu bei, sie für die gemeinsamen Ziele zu gewinnen. Eine transparente Kommunikationskultur ist daher wesentlicher Aspekt, welche die Motivation und das Verhalten der Mitarbeitenden positiv beeinflusst.

Dass die Veränderungs- und Innovationsfähigkeit einer Führungsperson zu den wichtigsten Kompetenzen der Zukunft gehören, leuchtet ein. Was zeichnet eine Führungsperson aus, die eine hohe Veränderungs- und Innovationsfähigkeit besitzt?

Susanne Hurni: Innovationsfähigkeit zeichnet sich aus durch eine Beurteilung, was aktuell gut läuft, aber auch was unbedingt angepasst werden muss, welches die aktuellen Bedürfnisse sind und wie die Leistungspakete darauf ausgerichtet werden sollen. Es ist eine Gratwanderung, Bekanntes und Geschätztes zu ändern und gleichzeitig Neues zu entwickeln. Mitarbeitende müssen entsprechend abgeholt werden. Zur Veränderungsfähigkeit gehört es, die eigenen Werte und Ziele mit jenen des Unternehmens zu verbinden und das Team auf die Ziele auszurichten.

Wertschätzung und Mitarbeiterorientierung gehören zu den Topskills der Zukunft in Zeiten, in denen Maschinen und künstliche Intelligenz den Menschen im Arbeitsprozess immer mehr ablösen. Wie geht das zusammen? 

Elisabeth Steger Vogt: Auch in Zukunft spielt der Mensch eine Schlüsselrolle in den Arbeitsprozessen des Gesundheitswesens. Maschinen erleichtern gewisse pflegerische Leistungen oder können ärztliche Eingriffe unterstützen, ersetzen aber nicht die Interaktionen mit den Patientinnen und Patienten oder die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachpersonen in den Teams. Die demografische Entwicklung wird den Fachkräftemangel verschärfen. Eine hohe Mitarbeitendenbindung an die Institutionen wird an Bedeutung gewinnen. Eine Führung mit hoher Mitarbeitendenorientierung, verbunden mit Wertschätzung, Zielorientierung und einem Klima des Vertrauens kann der Fluktuation entgegenwirken. Damit kann die Attraktivität des Arbeitgebers und generell der Berufe des Gesundheitswesens gesteigert werden.

Haben sich Leitbilder und Strategieprozesse in einer sich so schnell verändernden Welt nicht langsam überholt? Wird dies nicht abgelöst durch die Fähigkeit der Digital/IT-Kompetenz? 

Susanne Hurni: Ich bin überzeugt, dass Leitbilder ihren Platz auch in der Zukunft haben werden. Sie müssen aus echten Überzeugungen entstehen. Dabei dürfen Werte nicht vergessen werden, welche die Leistungen gegenüber den Kunden beschreiben, denn ohne die Ausrichtung an kundenzentrierten Werten wird eine Institution nicht überleben. Ohne eine Ausrichtung an menschenzentrierten Werten wie Wertschätzung, Respekt oder Integrität wird eine Institution keine Mitarbeitenden mehr finden, die kundenzentriert arbeiten wollen. Die Entwicklungen zeigen, dass ein drei bis fünf Jahre umfassender Strategieprozess in der heutigen Zeit nicht mehr funktioniert. Der Planungshorizont verkürzt sich. Und die Kompetenz, auf sich verändernde Rahmenbedingungen schnell reagieren zu können, ist zwingend. All dies kann mittels digitalen Kompetenzen unterstützt werden, oder durch neue – heute modern unter agilen Methoden subsummiert – Kooperationsformen. 

Welche weiteren Kompetenzen sind unter den Top Ten noch zu erwähnen? 

Elisabeth Steger Vogt: Die Entwicklungen im Gesundheitswesen zeigen, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnt. Interdisziplinäre Teams, welche zunehmend z.B. in Bezug auf das Alter oder den kulturellen Hintergrund divers zusammengesetzt sind, vereinen eine breit angelegte Fachkompetenz. Der Führungskraft kommt dabei die Rolle zu, die Kollaboration zu moderieren, Kompetenzen zu vernetzen, für eine feedbackintensive Kooperationskultur zu sorgen und das Team zu befähigen, eigenständige Lösungen zu suchen. 

Welches werden zukünftig die wichtigsten Aufgaben der Führung sein? 

Susanne Hurni: Führungskräfte müssen ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem ihre Mitarbeitenden zielorientiert agieren können. Sie steckt den Rahmen ab, bestimmt die Aufgaben, verhandelt das Budget und die Timeline. Ein Punkt ist zentral: die Führungskraft ist nicht mehr Fachspezialist/in. Und dies ist wohl der grösste disruptive Faktor in der Führung. Die Führungsperson ist nicht mehr diejenige, die alles besser weiss. Klar ist, dass Vorgesetzte ein gutes Verständnis für das Fachgebiet aufweisen müssen. Zentral wird es, als Führungskraft das eigene Team zu befähigen, auf fachliche Themen gute Lösungen zu finden und gleichzeitig auch die Entwicklung der Mitarbeitenden zu fördern. 

(Auszug aus Clinicum, 2-20)

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